Das neue Dresdner Stadthaus entstand als expressive Großstadtarchitektur von 1922-1928 mit der formgebenden Rundung.
Seinerzeit als städtisches Verwaltungsgebäude in Erweiterung des Rathauses errichtet, gehört es heute zum baulichen Erbe Dresdens.
Nachhaltige Sanierung für zeitgemäße Verwaltungsunterbringung gewährleistet die Zukunftsfähigkeit des historischen Stadthauses.


Die Hauptfassade der Häuser 11 – 15 ist mit etwa 10 cm starken Betonfertigteilen verblendet, deren Oberfläche optisch Muschelkalkstein nachempfindet. Regelmäßige Lisenen auf 42 Querachsen mit konkaven Schwüngen verleihen dem Bauwerk eine gleichmäßige Gliederung, während gesimsartige Rücksprünge die Gebäudemasse nach oben hin auflösen.
Grundlage für die Erfassung der Sanierungsmaßnahmen bildet eine Schadenskartierung mit fotografischer Dokumentation, die unterschiedliche Schadensbilder in Fassadenansichten darstellt.
Ergänzend findet die nach Kriegszerstörung um 1960 wiederaufgebaute Fassade an Haus 15 Berücksichtigung.

Ziel der Sanierung ist der Erhalt der historischen Gebäudestruktur des Stadthauses mit ihrer charakteristischen Mittelgangerschließung, zellenartigen Raumstruktur und rhythmischen Gliederung durch sichtbare Unterzüge, Innentüren und Beleuchtung.
Die vertikale Erschließung erfolgt über drei Treppenhäuser im expressionistischen Stil sowie zwei Aufzüge in Haus 11 und 13.
Neue Technik- und Sanitärräume ordnen sich analog zu dieser vertikalen Erschließung geschossweise übereinander an.
Notwendige Wandscheiben zur statischen Ertüchtigung sowie Brandwände fügen sich räumlich in die vorhandene Zellenstruktur ein.
Denkmalgerechte und sensible Eingriffe in die Konstruktion schaffen Raum für zeitgemäße, vernetzte Arbeitsbereiche mit sinnvoller Gruppierung:
Es entsteht ein flexibles Raumgefüge für öffentliche, halböffentliche und interne Nutzungen – mit Beratungsräumen für Einzelgespräche, unterschiedlichen Bürogrößen sowie Seminar- und Veranstaltungsbereichen.

Die zentrale Eingangshalle mit persönlichem Empfang am Infopunkt und digitalen Serviceterminals orientiert Besucher auf Anhieb. Sie vermittelt als kommunikatives Zentrum das Bild eines bürgernahen Verwaltungs- und Dienstleistungszentrums im Herzen der Dresdner Altstadt.


Die Rotunde bildet einen Sonderbaustein des Stadthauses mit zweigeschossigem Lichthof und bietet als Open-Space-Office Platz für 28 Arbeitsplätze.
Durch die gestalterische Auflösung der Konstruktion ist die offene Raumqualität im vorgelagerten Wartebereich erlebbar.


Der Bürgersaal im 1. Obergeschoss präsentierte sich ursprünglich im Stil des Expressionismus mit der zur Bauzeit fortschrittlichen Stahlbetonskelettbauweise.
„Das Stadthaus […] nach Entwürfen des Stadtbaudirektors Ludwig Wirth, beeinflusst noch von Hans Poelzig, ist einer der ganz wenigen Bauten des Expressionismus in Sachsen, der einzige in Dresden. Er zeigt in besonderem Maße, dass eben Dresden durchaus offen war für die modernsten Strömungen der Architektur und nicht allein ausgerichtet auf barock geprägte Tradition, wie es Dresden damals wie heute immer wieder unterstellt wird.“*
*Zitat: Professor Gerhard Glaser, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, 1997, in einem Brief an Oberbürgermeister Dr. Herbert Wagner


Der Historische Saal im Seminar- und Veranstaltungsbereich mit vorgelagertem Foyer erhält eine eigene Teeküche und Garderobe.
Moderne Veranstaltungs- und Konferenztechnik mit Beschallungsanlage und Monitoren vervollständigen das räumliche Angebot, das ein unabhängiges Bespielen – sowohl im Tagesbetrieb als auch für Abendveranstaltungen – ohne Beeinträchtigung des laufenden Betriebes im Haus ermöglicht.
Die erhaltenswerte Gestaltung bleibt in bauzeitlicher Formensprache raumprägend. Ergänzende Details in neuer Interpretation runden das Gesamtbild ab.


Kommunikationsbereiche für Teamwork, Co-Working und informelle Treffen befinden sich in den verschiedenen Ebenen an zentraler Stelle übereinander.
Unterschiedliche Raumgrößen bieten vielfältige Möglichkeiten für Meetings.
Sichtbare Betonrahmen bringen mit Oberlichtern und Beleuchtung die rhythmische Tragstruktur des Gebäudes zur Geltung. Die durchlaufende Heizkörperverkleidung mit filigranem Muster verbindet den Raum zu einer Einheit.


Der Konferenz- und Tagungssaal steht für übergeordnete regelmäßige Stadtratssitzungen zur Verfügung.
Ende der 1950-er Jahre im Wiederaufbau errichtet, soll er wieder in der ursprünglichen Ästhetik erstrahlen.
Mit Freilegung der Tragkonstruktion aus Beton und Anordnung der sternförmigen Leuchtröhren an der Decke erhält der Saal unter der Dachschräge eine minimalistische und zeitgemäße Gestaltung.
Fensternischen mit Vorhängen und Heizkörperverkleidung verbinden Maßnahmen der Akustik und des Sonnen- und Wärmeschutzes mit anspruchsvoller Innenraumausstattung.

