Der Große Ballsaal im Nordostflügel des Dresdner Schlosses bildet den östlichen Auftakt einer Raumfolge aus drei Sälen im Museumsrundgang des 2. Obergeschosses.
Ziel war die Rekonstruktion der architektonischen Raumfassung des „Ball- und Concertsaals“ aus den Jahren 1846-1848 – ohne Kronleuchter, Vergoldungen und Wandgemälde, jedoch unter größtmöglichem Einbezug der erhaltenen Originalsubstanz, auch aus späteren Fassungen.


Ausgangslage für die Rekonstruktion war der Rohbauzustand des Saales. Erste Wiederaufbaumaßnahmen am Schloss als Museumskomplex hatten 1986 begonnen. Im Ballsaal erfolgte das Aufbringen einer Stahlbeton-Torkretierung an der Westwand zum Turmzimmer sowie der Einbau von Stahlbetondecken entsprechend der Geschossigkeit des Zustandes vor 1880.
Die geometrische Rekonstruktion des Raumes war durch kriegsbedingte Verformungen im Bestand erschwert: Zweidimensionale Aufmaßpläne konnten diese nur bedingt erfassen. Ergänzend dienten teilweise entzerrte und maßstäblich aufbereitete Fotografien als wichtige Planungsgrundlage.


Der mehrfach umgebaute Saal erhielt in der feingliedrigen Fassung von Wolframsdorf und Bendemann um 1850 eine Gestaltung im Renaissancestil, die durch eine historische Fotografie überliefert ist. Aus dieser Zeit stammen die Deckengestaltung mit sternförmig angeordneten Gipsprofilen, die aufwendig gegliederte Wandbekleidung aus Gipsstuck sowie Türgewände aus Sandstein mit verzierten Gips- und Holzeinlagen.
Aus späteren Bauphasen stammen Marmorplatten im Brüstungsbereich sowie Lünettengitter in den Fensternischen.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ am Ballsaal schwere Schäden: Teile der Wandarchitektur blieben als Stuckfragmente am Ort erhalten, für andere Befunde erfolgte die Einlagerung im Depot.
Historische Fotografie H. Krone,
Kupferstichkabinett. SKD

Die systematische Sortierung und Recherche zur erhaltenen Bausubstanz umfasste rund 100 unterschiedliche Bauteile und Putzbefunde, deren Bewertung, Zuordnung und Verortung in historischer, räumlicher und bautechnischer Hinsicht erfolgte.
Wandansichten als Übersichtspläne dienten im ersten Schritt zur Erfassung und Einordnung der Befunde.
Säule mit Aufsatzfigur, Zustand 2025

Ein 3D-Modell ermöglichte die präzise Erfassung der Raumgliederung und Proportionen der Wände. Auf dieser Grundlage entstand eine Planung zur technologischen Herstellung der Bauteile, die Einlege- und Zugarbeiten sowie einen schichtweisen Putzauftrag umfasst. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den nicht lotrechten Wandneigungen – sie bestimmen unmittelbar die erforderliche Putzstärke und damit die exakte Tiefe, in der die Einleger zu setzen sind.
Marmorplatte - Säule, Zustand 2025

In enger Zusammenarbeit mit Restauratoren erfolgte die Unterteilung der Bauteile in neun Pakete nach thematischen und konstruktiven Gesichtspunkten. Relevant waren dabei neben der Größe der einzelnen Teile auch die Zusammengehörigkeit innerhalb einer Komposition sowie der Zeitpunkt des Einbaus im Saal. Auf dieser Grundlage entwickelten Bildhauer Modelle der Bauteile, stets unter Einbindung der Denkmalpflege. Die abgestimmten Modelle dienten als Vorlage für die Herstellung der Stuckbauteile als Einleger sowie der Schablonen für die Zugarbeiten und deren Einbau im Raum.
Nische mit Befunden, Zustand 2025

Nahezu 100 Bauteilblätter zeigen neben der Verortung, der Herstellungsweise und Befundlage, den erforderlichen Putzauftrag, die Unterteilung in Zug- und Einlegearbeiten sowie die Abwicklung jedes einzelnen Bauteils.
Die vor Ort in aufwendiger Feinarbeit ausgeführten Anschlüsse zwischen den erhaltenen historischen Befunden und den neu hergestellten Bauteilen prägen das Gesamtbild des Saales.
Besondere gestalterische Sorgfalt erforderten die Übergänge zu den beiden angrenzenden Räumen, deren Türgewände aus Sandstein, Stuck und Holz unterschiedliche Materialien und Maßtoleranzen zusammenführen.
Brüstungssims, Zustand 2025

Von den aus Holz gefertigten Schildbögen war nach der Kriegszerstörung nichts erhalten geblieben. Die Auswertung historischer Fotografien in Verbindung mit restauratorischen Erläuterungen bildete die Grundlage für eine umfassende Konstruktionsanalyse der Profilierung nach historischem Vorbild.

Die beiden äußeren Fensternischen auf der Südseite waren historisch als Blindelemente mit Spiegeln und Tapetentüren ausgebildet; ihre Gestaltung stellte man entsprechend wieder her.
Sechs im Depot verwahrte Ziergitter aus späterer Bauzeit erfuhren eine Aufarbeitung und Übernahme in die Raumfassung. Ihre genaue Verortung erfolgte anhand historischer Fotografien, materialspezifischer Eigenschaften wie Beschaffenheit und Gewicht sowie vorhandener Befestigungspunkte an den Gittern und in den Bogenleibungen der Fensterachsen.
Südostecke, Zustand 2025

Die durch Verformungen bedingte Verzerrung der Raumgeometrie wirkt sich besonders am Übergang von Wänden zur Decke aus. Als einzige Planungsgrundlage für die Decke mit ihrer Rippenstruktur diente das Krone-Foto. Nach Abwägung statischer und konstruktiver Gesichtspunkte zwischen traditioneller Rabitzdecke und Trockenbaukonstruktion fiel die Entscheidung für eine Trockenbaudecke mit Unterkonstruktion aus Aluminiumprofilen als Rippenwerk. Ausschlaggebend waren der hohe Vorfertigungsgrad, die kurze Montagezeit, die gute Revisionierbarkeit sowie die Integration haustechnischer Komponenten. Die gesamte Deckengeometrie ließ sich mit vier Segmenttypen in knapp 60 maßlichen Varianten vollständig abbilden.

Die Modellentwicklung zeigt den Prozess von der groben Formfindung zur feingliedrigen Ornamentik. Exemplarisch für die Deckenelemente steht der „Große Zapfen“, der an Kreuzungspunkten von jeweils acht Rippen angeordnet ist.
Großer Zapfen, Zustand 2025
